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Ich habe Berlin nach all den Jahren gelernt zu hassen. Es hat mich oft krank gemacht und ich bin froh und dankbar, auf Usedom mein Kraftort und vor allem Möglichkeit gefunden zu haben, mich zu regulieren. Am Anfang habe ich nicht offen darüber gesprochen, weil ich dachte, vielleicht bilde ich es mir nur ein und ich bin einfach zu sensibel.

Aber als im Sommer eine Mutter zu mir in die Praxis kam und mir von ihrer Tochter erzählte, die sich auch ein 2.Standbein auf Usedom mit Kerzenherstellung aufbaut und die tot unglücklich ist, wenn sie nach Berlin pendeln muss, da brachen in mir die Tränen aus, weil es genau das war, was ich fühlte. Bestätigung, nicht allein mit meinen Gefühlen und Gedanken zu sein.

Nicht aus einem einzigen großen Grund, sondern aus vielen kleinen, die sich leise und manchmal auch laut angesammelt haben. Ja, es gibt auch schöne Ecken. Orte, an denen das Licht weich fällt, an denen Geschichte atmet, an denen man kurz vergisst, wo man ist. Aber diese Momente fühlen sich an wie Ausnahmen, nicht wie Zuhause. Vielleicht bin ich in Wahrheit, nie da angekommen…..

Berlin ist eine Stadt, die man entweder lebt – oder von ihr gelebt wird. Und wenn man nicht aufpasst, verschluckt sie einen. Alles existiert hier im Überfluss: Menschen, Möglichkeiten, Meinungen, Lärm, Erwartungen. Und trotzdem bleibt am Ende oft das Gefühl von Leere. Nichts ist wirklich halb, nichts wirklich ganz. Alles ist extrem, laut, schnell, vergänglich. Kaum etwas darf wachsen, ohne sofort bewertet, benutzt oder ersetzt zu werden.

Der Zahn der Zeit frisst sich durch diese Stadt, aber nicht langsam und würdevoll, sondern hektisch und rücksichtslos. Es dreht sich alles um Macht, um Geld, um Status. Werte werden zwar beschworen, aber selten gelebt. Menschlichkeit wird zur Randnotiz. Man ist nicht jemand, man ist eine Nummer. Ein Profil. Ein weiterer Körper in der U-Bahn, ein weiterer Name auf einer Liste, die jederzeit gestrichen werden kann.

Ständig kämpft man um seinen Platz. Und wenn man glaubt, ihn endlich erreicht zu haben, kommt etwas dazwischen: ein System, ein Markt, eine Entscheidung von oben, andere Mitspieler*innen, die dich wieder nach unten ziehen. Es fühlt sich an, als dürfe man nie ankommen. Als sei Stillstand verboten. Als müsse man immer funktionieren, immer mithalten, immer mehr wollen – selbst wenn man längst müde ist. (Willkommen im Kapitalismus)

Die Welt hat ein großes Interesse für unser “Wohl” zu sorgen in dem uns alles abgenommen und scheinbar erleichtert wird, doch dieser Wohlstand, macht uns nicht gesünder oder glücklicher….

Berlin ist wie eine Seifenblase. Von außen schillernd, faszinierend, scheinbar grenzenlos. Man hat alles: Kultur, Freiheit, Nachtleben, Reizüberflutung zu jeder Tages- und Nachtzeit. Diese Stadt schläft nie. Und genau das ist das Problem. Denn irgendwann schläft man selbst auch nicht mehr richtig. Man wird rastlos. Unruhig. Zerrissen zwischen dem Gefühl, nichts zu verpassen und gleichzeitig alles zu verlieren.

Man geht spazieren und wird eines Tages einfach erschlagen. Nicht körperlich, sondern innerlich. Vom Chaos. Vom Dreck. Vom Müll. Von den hohen, kalten Häusern, Respeklosigkeit und Achtlosigkeit ander Mitmenschen. (Manche bewegen sich wie Zombies, völlig desorientiert) Von der permanenten Überforderung. Und vor allem von dieser schweren, schlechten Energie, die über allem liegt. Eine Energie, die einen auslaugt, ohne dass man genau sagen kann, warum.

Vielleicht ist Berlin nicht grundsätzlich schlecht. Vielleicht passt man einfach irgendwann nicht mehr in diese Stadt. Vielleicht wächst man heraus. Oder man merkt, dass man mehr braucht als Reiz, Tempo und Möglichkeiten. Mehr Ruhe. Mehr Echtheit. Mehr Sinn. Und weniger Kampf.

Und das einzugestehen, tut fast genauso weh wie hierzubleiben.

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